Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Cookie-Verwendung zu. Mehr erfahren

16 Zylinder – Die Könige der Motoren

Oldtimer / 14. März 2016

Neulich wurde in Genf der Bugatti Chiron als Nachfolger des Veyron vorgestellt.

Bugatti Veyron

Bugatti Veyron

Bugatti Chiron

Bugatti Chiron

Für 2,5 Mio. Euro bekommt man ein Fahrzeug mit höchst komplexer und elitärer Technik, die wohl vor allem gebaut wird, um die Fähigkeit zu demonstrieren, diese Technik bauen zu können.

Manche Konzerne bewegen sich in der Formel1 oder ähnlichen Rennserien, der VW Konzern verkauft Fahrzeuge mit vergleichbarer Komplexität als (Klein-) Serienfahrzeuge an Kunden.

Wenige dieser Fahrzeuge werden tatsächlich bewegt und die wenigsten in dem Grenzbereich, den sie eigentlich aushalten. Man mag über die Sinnhaftigkeit solcher Gefährte streiten, wie bei Rennwagen auch kann die Konstruktion solcher Übermaschinen die technische Entwicklung manchmal weiterbringen.

Eine der Besonderheiten dieser Bugattis ist der Sechzehnzylinder-Motor, eine Weiterentwicklung des Veyron-Antriebes. Ein Sechzehnzylinder, groß, komplex, stark, faszinierend – der König der Motoren!

Aber Veyron und Chiron sind nicht die ersten Straßenwagen mit sechzehn Zylindern, sie haben berühmte Vorgänger in der Automobilgeschichte – und der erste Wagen mit einem Sechzehnzylinder kam von wem? Richtig! Von Bugatti!

Der Bugatti T45 von 1929 war ein Sechzehnzylinder-Rennwagen mit 3.800 ccm, der in zwei Exemplaren hergestellt wurde. Zwei Reihenachter mit jeweils eigener Kurbelwelle wurden zentral miteinander gekoppelt, so dass ein echter ständiger Kraftschluss besteht. Dieser sogenannte U-Motor wurde zumindest in einigen Bergrennen eingesetzt, größere Erfolge waren nicht zu verzeichnen. Der darauf basierende Grand-Sport-Bugatti T47 kam auch nie über ein Konzeptstadium heraus.

T45 Auto und Motor

T45 – links das Auto, rechts der Motor

Es folgte bei den Rennwagen die „Auto-Union“, die bei ihren 16-Zylinder-Rennwagen zu Beginn im Jahr 1934 mit 295 PS aus 4,4 l Hubraum (Typ A) startete; bereits 1935 wurden aus 5 l Hubraum 373 PS (Typ B) und 1936 dann aus 6 l Hubraum 520 PS (Typ C) herausgelockt.

Mit Fahrern wie Hans Stuck (noch heute als „Bergkönig“ bekannt), Bernd Rosemeyer, Achille Varzi, Rudolf Hasse, H.P. Müller, Tazio Nuvolari und vielen anderen gewannen sie reihenweise Bergrennen und Grand-Prix, dazu war Bernd Rosemeyer auf einem modifizierten Typ C der erste, der auf einer öffentlichen Straße die 400 km/Schranke durchbrach – das soll ungefähr das sein, was Bugatti 80 Jahre später mit viel Presse-Getöse hinbekommt!

Rennwagen der "Auto Union"

Rennwagen der „Auto Union“

Anders dagegen Alfa Romeo, die 1935 zunächst einen GP-Wagen namens „Bimotore“ auf die Strecke brachten, der jedoch – wie der Name vermuten lässt– sowohl mit einem Reihen-Achter-Front- als auch einem ebensolchen -Heckmotor ausgestattet war. 325 km/h Spitze bei 540 PS waren ein Wort, er blieb jedoch erfolglos. Außerdem ist ein Sechzehnzylinder mit 2 separaten Motoren geschummelt, oder?

Die Alfa Typen 316, 162 und 163 waren dann in den Jahren 1938 und 1939 echte Sechzehnzylinder, mit jeweils hintereinandergekoppelten V8 Motoren – pfeilschnell, aber nicht erfolgreich!

Bleiben wir noch kurz bei den Rennwagen – 1950 und 1960 entwickelte der britische Rennstall B.R.M. Formel1-Renner mit 16-Zylindermaschinen.

Die erste Ausführung BRM P15 mit 1,5 l-Motor mit zweistufigem Kompressor leistete bei 12.000 (!!) U/min über 500 PS. Damit war er zwar viel stärker als die Konkurrenz, kam aber leider nur selten ins Ziel. Der einzige Erfolg war 1950 ein Sieg bei der Goodwood Trophy. Beim britischen Grand Prix schaffte man 1951 immerhin mal einen 5. Platz – Fangio.

Unverdrossen versuchte man sich dann zwischen 1966 und 1968 an einem Sechzehnzylinder in H-Form, das sind zwei übereinanderliegende V8-Motoren, die zentral gekoppelt waren. So kompliziert das klingt, so war es auch; neben dem extrem hohen Gewicht waren die BRM P83 bekannt für ihre hoffnungslose Unzuverlässigkeit. Von den 32 Rennen, in denen sie eingesetzt waren, war als größter Erfolg einmal ein 2. Platz unter Jackie Stewart zu verzeichnen.

BRM P83

BRM P83

Offensichtlich ist die hochkomplexe Konstruktionsweise für extrem belastete und auf Leichtbau angewiesene Motoren kaum in den Griff zu bekommen.

Für Serienfahrzeuge, die auf größtmögliche Laufruhe und Komfort ausgelegt waren, ist das anders. Hier können vielzylindrige Motoren natürlich richtig punkten.

Und damit wieder zurück in die Dreißiger: Cadillac!

Die Spitzenmarke von GM bot die erste V16 Baureihe von 1930 bis 1935 an; diese Series 452 (benannt nach dem Hubraum in cubic inches) mit 7,4-Liter- wurde abgelöst vom Series 90 mit 7,1-Liter-Motor, war auf dem Markt bis 1940. Die riesigen Motoren kamen dabei nie über 185 PS. Mit dieser Literleistung waren sie natürlich mechanisch ganz wenig belastet und hielten ewig.

Die Fahrzeuge wurden mit unterschiedlichsten Karosserien – Coupés, Roadster, Limousinen – von verschiedenen Herstellern angeboten; die erste Reihe war besonders erfolgreich, es wurden etwa 3.700 Stück hergestellt, vom Series 90 kamen dann gut weitere 600 Stück dazu.

1940 Cadillac 90

1940 Cadillac 90

Da ließ sich die direkte Konkurrenz nicht lumpen: Marmon, damals ein bekannter amerikanischer Hersteller von Luxuswagen, traute sich auch an die Aufgabe heran.

Die Firma hatte 1909 mit einem Rennwagen (Modell 32 – „Wasp“) die ersten Indy500 gewonnen, dabei den ersten Rückspiegel eingesetzt und trug einen hervorragenden Ruf – was allerdings nicht mit entsprechender wirtschaftlicher Solidität einherging.

Marmon hatte bereits 1927 mit der Entwicklung des 16-Zylinder-Motors begonnen, immerhin konnte man dann von 1931 bis 1933 den Sixteen anbieten, der aus 8.000 ccm ebenfalls an die 200 entspannte PS brachte – ca. 400 Stück der prächtigen Wagen wurden gebaut, dann stellte Marmon den Automobilbau ein.

Marmon V16

Marmon V16

Genannt werden soll hier auch noch der Bucciali: Diese sagenumwobene französische Firma, Pioniere im Bau von riesigen Luxusmobilen mit Frontantrieb, stellte 1930 auf dem Pariser Salon den T5 (Bucciali Double Huit = „DoppelAcht“) vor.

Bis heute ist absolut rätselhaft und umstritten, ob dort überhaupt jemals ein funktionstüchtiger 16-Zylinder hergestellt wurde, und wenn ja, wieviele davon an Kunden gingen.

Auf jeden Fall ist mir kein anderer reiner Fronttriebler mit einem 16-Zylinder bekannt!

16 Zylinder Bucciali T5

16 Zylinder Bucciali T5

16 Zylinder-Motor von Bucciali, beim Auffinden mit alten Zeitungen statt Mechanik gefüllt

16 Zylinder-Motor von Bucciali, beim Auffinden mit alten Zeitungen statt Mechanik gefüllt

Seitdem geistern auch in den letzten Jahren immer wieder mal wieder 16-Zylinder-Fahrzeuge durch die Presse und verharren zumeist auf Autoschauen; zu nennen sind hier der schweizerische Sbarro Royale von 1976, eine traurige Kopie des Bugatti Royale mit Park-Ward-Karosserie. Der Motor bestand hier aus zwei gekoppelten V8 von Rover.

In Italien wurde in den 1990er Jahren in geringsten Stückzahlen der Cizeta V16 T produziert.

Cadillac versuchte sich dann 2003 noch mit einer Studie des Cadillac Sixteen mit 13,6 l Motor, der eine Reminiszenz an die eigenen Fahrzeuge der 30er Jahre darstellte. Es blieb beim Einzelstück.

Cadillac Sixteen

Cadillac Sixteen

Offensichtlich ist mit dem 16-Zylindermotor eine Komplexitätsstufe in der Mechanik erreicht, die zu Demonstrationszwecken ohne Rücksicht auf Kosten herrliche Maschinen ermöglicht.

Tatsächlich besteht angesichts der zunehmenden Einsicht in die Sinnhaftigkeit des sparsameren Umgangs mit Ressourcen und der heutigen technischen Möglichkeiten im Downsizing kein tatsächlicher Bedarf mehr am Bau dieser Könige der Motoren.


Bildquellen:
Die Bugattis: Automobile, Möbel, Bronzen, Plakate; anläßl. d. Ausstellung im Sommer 1983, Hamburg, Christians, 1983
Auto Union: Oldtimer Markt, Ausgabe 10/2002
BRM P83: Wikimedia – Pyrope
Cadillac 90: Wikimedia – Jagvar
Marmon: Wikimedia – Lglswe
Bucciali T5: Wikimedia – UWCTransferBot
Bucciali Zeitung statt Mechanik: Wikimedia – Kobac
Cadillac 16: Wikimedia – BarnCas

  • lls995

    Alfa hat Reihenachtzylinder gebaut und keine V8, bitte berichtigen

    • Sina

      Stimmt, danke für den Hinweis!