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Wie funktioniert der eCall?

News / 03. März 2016
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Eigentlich sollte er ja schon im Herbst 2014 kommen, nun steht der 31. März 2018 als Einführungsdatum für den eCall fest. Ab dem Stichtag müssen alle Neuwagen europaweit mit dem Notrufsystem ausgerüstet sein. Wir klären die Hintergründe.

Wie funktioniert der eCall?

Fahrzeuge, die mit dem eCall ausgestattet sind, agieren im Fall eines Unfalls unmittelbar und selbstständig. Sie alarmieren direkt die nächstgelegene Notrufzentrale und setzen unter anderem folgende Infos ab:

  • Standortdaten
  • Unfallzeitpunkt
  • Zahl der Insasse
  • Art des Treibstoffs

Dafür besteht das eCall-System aus den Elementen Mobilfunkeinheit, GPS-Empfänger und Antennenanschluss.

Die Notrufzentrale hat außerdem durch das Notrufsystem die Möglichkeit, mit den Autoinsassen direkt zu sprechen und so weitere Angaben zum Unfall abzufragen. Diese und weitere Rettungsinformationen wie beispielsweise die Rettungskarte für die im Unfall verwickelten Automodelle können abgerufen und dem Rettungsdienst zur Verfügung gestellt werden.

eCall - löst automatisch nach heftigem Aufprall aus

Wie wird der eCall ausgelöst?

Es gibt zwei Möglichkeiten für die Aktivierung des eCalls: automatisch und manuell.

Die automatische Auslösung basiert auf verschiedenen Sensoren und Sicherheitstechniken, die sich am/im Fahrzeug befinden. Bei einem schweren Auffahrunfall beispielsweise registrieren die Sensoren einen Aufprall und das Auslösen der Airbags und senden auf Grund dessen automatisch den Notruf ab.

Damit aber nicht bereits leichte Parkrempler o.ä. als schwerwiegender Unfall erfasst werden und voreilig ein Notruf durch das eCall-System abgesetzt wird, sind die angesprochenen Sicherheitstechniken und Sensoren sehr sensibel und genau eingestellt.

Durch das Drücken eines entsprechenden Knopfes kann das System auch manuell ausgelöst werden. Dies ist vor allem für am Unfall beteiligte Verletzte oder den Insassen zur Hilfe kommende Zeugen gedacht.

eCall - SOS-Knopf zur manuellen Auslösung

Warum soll es den eCall geben?

Wir alle kennen die Notfallnummer 112. Sie ist europaweit gültig und die Basis für das automatisierte Notrufsystem. Allerdings hat die 112 ihr Schwäche. Vermeintliche Lappalien wie unpräzise Standortangaben führen zu einer – im schlimmsten Fall entscheidenden – Verzögerung.

Mit dem eCall soll also ein System etabliert werden, welches europaweit funktioniert und so viele Menschenleben rettet.

Expertenschätzungen zufolge kann bei einem sofortigem Alarm mit genauer Angabe des Unfallorts die Reaktionszeit von Rettungskräften um bis zu 50 Prozent in ländlichen und bis zu 40 Prozent in städtischen Regionen reduziert werden. Dieser Zeitgewinn soll helfen, die Anzahl der Verkehrsopfer in Europa deutlich nach unten zu schrauben.

Welche Befürchtungen haben Kritiker?

Einer der Hauptkritikpunkte ist wie bei vielen anderen Themen auch der Datenschutz. Das Notrufsystem kann viel mehr als nur Daten zum Unfall erheben. Kritiker befürchten eine detaillierte Datensammlung, auf dessen Basis Bewegungsprofile erstellt werden können. Es droht der gläserne Autofahrer.

Eines der Gegenargumente ist die Funktionsweise des eCall. Denn dabei handele es sich um ein sogenanntes schlafendes System: Die Informationen werden demnach erst in dem Moment preisgegeben, in dem sich der Unfall ereignet. Übermittelte Daten dürfen also ausschließlich zum Rettungszweck erhoben werden. Außerdem dürfen die Daten nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden. Folglich sei die Datensicherheit gewahrt.

Wie steht ihr zum eCall? Seht ihr die Notwendigkeit und überwiegen für euch die Vorteile wie das beinah doppelt so schnelle Eintreffen am Unfallort oder wiegt für euch der Datenschutz schwerer?

Bildquelle:
Unfall: Youssouf Cader/iStock/Thinkstock
SOS-Knopf: Lanski/iStock/Thinkstock