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Wechselakkus bei Elektroautos

E-Mobil / 21. Juli 2015

Während meines Praxistests der elektrischen B-Klasse kam natürlich oft die Frage nach der Reichweite auf. Die ist mit einem Benziner natürlich nicht zu vergleichen. In einem der Gespräche wurde die Idee angebracht, dass Wechselakkus viele Probleme der Reichweite lösen würden. Wirklich? Ich habe mir dazu ein paar Gedanken gemacht:

Es klingt in der Theorie wie eine sehr feine Sache: Ich fahre mein Elektroauto mit „normaler“ Reichweite. Wenn der Akku leer ist, fahre ich an eine Tankstelle, lasse den Akku wechseln und düse weiter. Der Gedanke, schnell wieder mobil zu sein, erinnert natürlich an einen einfachen Tankvorgang. Und so weiter und so fort.

Leider passt es doch nicht zu 100%: Bei Benzin wird nachgetankt, die Akkus sollen gewechselt werden. Was sind aber „die Akkus“?

Die Idee der Wechselakkus geht davon aus, dass alle Autos die gleichen Akkus benutzen. Vielleicht könnte man sich auch überlegen, zwei Bauarten zum Standard zu machen.

Da sind wir beim ersten Problem: Der Standard!

Ein Standard über alle Automobilhersteller hinweg? In einer Branche, die es noch nicht einmal schafft, einheitliche Befestigungen für Dachgepäckträger zu etablieren? Es müsste ein Standard geschaffen werden, der für möglichst viele Autotypen passt.

Opel Ampera mit Batterie und Range ExtenderDas heißt nicht nur bezüglich der Größe, sondern auch der Leistung und sonstiger Anschlüsse (Temperaturmessung z. B.). Allerdings würde mir die Größe am meisten Sorgen machen. Solch ein Akku wiegt einige hundert Kilo. Es ist auch nie ein Akku, sondern streng genommen viele in Reihe geschaltete, kleinere Akkus, die oft von den Herstellern im Auto verteilt werden, um Platz zu sparen.

All das müsste in einen Block gepackt werden, der von unten vollständig erreichbar ist. Zu der schieren Größe des Akkus käme noch die Mechanik dazu, das Paket an seinem Platz zu halten bzw. den Wechsel überhaupt zu ermöglichen.

Aufgemerkt: Hier geht es nicht um ein Bauteil in der Größe eines Tankstutzens. Ausreichend Kapazität vorausgesetzt geht es hier um ein Bauteil, welches wahrscheinlich sogar das Design eines Fahrzeuges beeinflussen würde. Ich glaube nicht, dass Hersteller das mit sich machen lassen würden.

Was wäre außerdem mit den Autos, die bereits am Markt sind? In letzter Konsequenz würde es bedeuten, dass man zwei Systeme am Markt hat: Wechsel- und Ladeakkus. Und zwei Systeme in einer frühen Phase der Markteinführung wären sicher nicht hilfreich, sowohl für den Kunden als auch den Hersteller.

Die Frage der Investition ist ebenso ungeklärt: Wer möchte Geld investieren (und es wäre nicht wenig) ohne die Sicherheit, dass die Autohersteller auch künftig das System unterstützen?

Klassisches Henne/Ei-Problem: Wenn kein Herstellerbündnis auf Wechselakkus setzt, wird es niemanden geben, der in ein Wechselakkustellennetz investieren wird, wenn es kein entsprechendes Netz gibt zögern die Hersteller bei der Umsetzung in den Autos.

Zu klären wären außerdem die Besitzverhältnisse der Akkus. Momentan kaufe ich den festverbauten Akku mit dem Auto zusammen. Bei Renault wird der Akku geleast und wieder zurückgegeben bzw. gegen einen Neuen getauscht.

Artikelbild-3Wechselakkus stehen hier vor einem kleinen Problem: Ich bezahle einen neuen Akku, erhalte aber vielleicht beim nächsten Wechsel einen Akku, der schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Was passiert, wenn ich den Wagen irgendwann mal verkaufen möchte? Auto ist 4 Jahre alt, der Akku aber 7? Natürlich könnte ich das Auto auch ohne Akku kaufen, aber das erhöht die Investitionskosten des Anbieters der Wechseltankstellen enorm und müsste wieder über den Preis eines Wechsel eingeholt werden.

Alles in allem halte ich Wechselakkus für keine praktikable Lösung.

Es wirkt auf den ersten Blick wie eine super Lösung für Menschen, die in der Reichweite von Elektroautos ein Problem sehen. Betrachtet man es aber genauer, gibt es sehr viele Hürden, die zu nehmen sind. Wahrscheinlich war es eine Hürde, die schon vor langer Zeit Better Place scheitern ließ, die Firma verfolgte nämlich das gleiche Prinzip und musste im Mai 2013 Insolvenz anmelden.

Fotoquellen
Aufladbare Batterien – Wikimedia  – Simon A. Eugster
Opel Ampera – Wikimedia – RudolfSimon