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Frauen fahren um die Welt: Berühmte Langstreckenfahrten von Frauen

Oldtimer / 13. Juli 2015

Gab es auch schon vor langer zeit – und einige stelle ich Euch heute vor!

Die erste: natürlich BERTHA BENZ

Seit 1886 baut ein Herr namens Carl Benz in Mannheim sogenannte Automobile, sie sind hochmodern, die Spitze der technologischen Entwicklung, allerdings werden sie nicht ernst genommen. Finanziert wird er durch seine Frau Bertha, die ihr Vermögen in ihren Mann investiert. Er ist jedoch mehr Ingenieur als Verkäufer… seine Wagen sind bekannt, er bringt sie jedoch nicht an den Mann.

1888 regiert Kaiser Wilhelm II., Carl Benz hat den Wagen Nr. 3 fertiggestellt. Der steht nun meistens rum, manchmal wird er auf der Kurzstrecke durch Mannheim bewegt, vom „Publikum“ bestaunt und belacht.

Bis Bertha Benz Anfang August 1888 mit einer Fahrt nach Pforzheim – über mehr als 100 km auf Schotterpisten! – beweist, dass ein Auto etwas wirklich Praktisches ist. Begleitet von ihren beiden Buben Richard und Eugen kommt sie abends bei ihren Eltern an, drei Tage später fahren sie wieder zurück.

Und der Beweis ist erbracht: Automobile funktionieren! Der Wagen Nummer 3 steht im Carl-Benz-Museum in Ladenburg….

Und ab dem Jahr 1889 konnte Carl Benz seine Autos auch verkaufen, das Geschäft beginnt zu florieren.

Und auch heute noch ist diese Fahrt auf der ganzen Welt bekannt, oft beschrieben und auch schon verfilmt.

Schauen wir 20 Jahre weiter…

Autos waren noch keine normalen Konsumgüter, sondern Statussymbole der wirtschaftlichen Eliten:

Eine nicht ganz mittellose Dame namens ALICE RAMSEY bewegte seit 1908 in New York einen Wagen der Marke „Maxwell“, im September gewann sie das Autorennen von Hackensack NJ nach New York City.

Nach kurzer Zeit war sie Vorsitzende des New YorkerWomen’s Motoring Club.

Angetan von dieser toughen Dame schlug „Maxwell“ ihr vor, eine Werbefahrt quer durch die USA zu sponsern. Ihr wurde ein Extrafahrzeug des Typs DA zur Verfügung gestellt, entlang der Strecke sorgte Maxwell für eine ausreichende Infrastruktur mit Ersatzteilen etc. Als Begleiterinnen der 22-Jährigen waren zwei Schwägerinnen und eine Freundin dabei.

Und im Juni 1909 ging es los, nach kurzer Zeit war es vorbei mit gepflasterten Straßen, die nächsten 3.800 Meilen wurden überwiegend auf teils geschotterten, teils nur planierten Straßen zurückgelegt. Richtig befestigt sollen 152 Meilen gewesen sein…

Und die Ladies bekamen in den nächsten Wochen alles mit, was vor 100 Jahren eine Reise ausmachen konnte… Achsbrüche, Steckenbleiben im Schlamm etc. Nach 60 Tagen Fahrzeit erreichten sie den Zielort San Francisco.

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Werbefoto von Maxwell – 1913, auch ein paar Jahre später noch das richtige für eine Lady…

Maxwell konnte seitdem den Werbespruch „The car for a lady to drive“ nutzen und Miss Ramsey wurde 1960 von der American Automobile Association als „Autofahrerin des Jahrhunderts“ ausgezeichnet, im Jahr 2000 wurde sie postum als erste Frau in die Automotive Hall of Fame aufgenommen.

Gehen wir weitere 20 Jahre in die Gegenwart, wieder nach Deutschland.

Kaiser Wilhelm II. war nicht mehr da, sondern im holländischen Exil und sein von beeindruckender Weitsicht geprägter Ausspruch „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“ aus den 0er Jahren war natürlich auch in Europa widerlegt.

Einen Beleg für die Fehleinschätzung des Exilanten und die Haltlosigkeit des Macho-Dünkels erbrachte CLÄRENORE STINNES. Die Tochter eines der reichsten deutschen Industriellen war Mitte der wilden 20er die erfolgreichste Rennfahrerin Europas.

Ihre Meisterleistung: von 1927 bis 1929 umrundete sie in Begleitung des Fotografen Carl-Axel Söderström als erste Frau die Erde in einem Auto.

Die beiden in einem Begleitwagen mitreisenden Mechaniker gaben bereits in Moskau auf, der wackere Adler 6 trug Fräulein Stinnes weiter nach Osten.

Adler_Standard_6

In solchen Gefilden war Clärenore Stinnes auf der Fahrt wohl eher selten unterwegs

Peking, Japan, Vancouver und Buenos Aires waren weitere Stationen. Dann ging es zurück nach Vancouver und quer durch die Staaten – nach 25 Monaten erreichten die beiden wieder Berlin. Und auch hier galt: das was der Adler am seltensten unter den Rädern hatte, war eine Straße, die unseren Vorstellungen entsprach. 47.000 km auf Feldwegen, durch Schlamm und Furten, auf Schotterpisten oder einfach Trampelpfaden. Wirklich hartgesotten war sie, das Fräulein Stinnes! Und offensichtlich durfte die Firma Adler auch noch in den 20er Jahren von der Qualität ihrer Produkte überzeugt sein, kein Wunder, dass sie einer der großen Automobilhersteller Deutschlands war. Einen Spielfilm gibt es auch – hier dazu mehr!

Nun machen wir einen Sprung in die Jetzt-Zeit

…und bleiben bei den alten Autos:

Hudson_4-D_Sedan1931

Das ist ein Hudson.

Seit gut einem Jahr ist HEIDI HETZER aus Berlin unterwegs, auch sie fährt um die Welt, das aber nicht in einem schicken Geländewagen, sondern in einem schönen alten Hudson aus dem Jahr 1930, der einige Jahre (nur eine einstellige Zahl) älter ist als Frau Hetzer. Die Dame hat Benzin im Blut, ist KFZ-Mechanikerin und hatte früher als Chefin eines der größten Berliner Autohäuser ihre Frau gestanden.

Gestartet in Berlin, ging es über den Balkan, die Türkei, den Iran, Turkmenistan, China, Thailand weiter nach Australien und Neuseeland, jetzt gondelt sie mit dem Reihenachter durch sein Herkunftsland USA.

Mittel- und Südamerika kommen noch genauso dran wie auch Afrika.

Auch wenn die meisten Strecken und die Infrastruktur natürlich viel besser sind als früher, es bleibt für Mensch und Maschine ein anstrengender Ritt – aber was ist das für ein toller Trip, ich befinde mich im Fernweh-Modus…

Diese Damen hätte ich alle sehr gerne kennengelernt.

Bei Heidi Hetzer habe ich vielleicht noch Chancen, wenn ich mal in Berlin bin – und sie dort wieder angekommen ist (Sommer 2016…!) – werde ich es versuchen.

Bis dahin wünschen wir eine gute Fahrt!

 

Fotoquellen:

Maxwell: The wonderful world of automobiles 1895-1930, Joseph J. Schroeder Jr. , Digest Books, Northfield, Illinois
Adler: Wikimedia– Georg Johann Köhler
Hudson: Wikimedia – Lars-Göran Lindgren Sweden