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Neuwagen der Woche: Infiniti Q50 2.0T

Neuwagen / 05. September 2014

Der Infiniti Q50 tritt seit 2013, als Nachfolger des Infiniti G37, in der Mittelklasse an. Seine Mitbewerber? Etabliert, beliebt und vor allem aus Deutschland: Mercedes-Benz C-Klasse, 3er BMW und Audi A4 – wie schlägt sich also der Premium-Japaner, der in Tochigi hergestellt wird?

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Für den europäischen Markt bietet Infiniti passende Motoren an, während man in den USA z.B. einen 3,7 Liter V6 unter die Haube bekommt, musste man sich in Deutschland bis dato mit einem 2,2 Liter Diesel (aus dem Hause Mercedes-Benz) oder einem 3,5 Liter Hybrid System begnügen.

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Extra für den europäischen Markt und somit auch für unsere strengen Umweltauflagen kommt nun ein 211 PS starker 2.0 Liter Turbo Benziner unter die Haube. Das Drehmoment von 350 Nm könnte es auch schon verraten, es ist ebenfalls ein Aggregat aus dem Hause Mercedes-Benz, welcher so z.B. auch in der aktuellen C-Klasse verbaut wird. Natürlich wurde der Motor angepasst und von den Infiniti-Ingenieuren modifiziert.

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Nissans Edel-Tochter Infiniti setzt also auf bewährte Motorentechnik, macht aber ansonsten einiges anders. Was bleibt ist die Antriebsart: Motor vorne, Antrieb über die Hinterachse und geschaltet wird beim 2.0 Liter Benziner über eine 7-Gang Automatik. Über zwei Magnesiumschaltwippen hat der Fahrer / die Fahrerin die Möglichkeit, manuell Eingriff auf die Gangwahl zu nehmen.

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Lenkrad: Gutes Stichwort! Wie auch die Diesel- und Hybridmodelle, verfügt auch der Infiniti Q50 2.0T über die elektronische Lenkung „Direct Adaptive Steering“. Dieses Steer by Wire System überträgt die Lenkbefehle NICHT mehr mechanisch, sondern über elektronische Signale. Gelenkt wird in dem Fall über einen Elektromotor.

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Die aufzuwendende Lenkkraft lässt sich einstellen, jedoch fühlt man sich gerade bei sportlicheren Kurven dann doch etwas entkoppelt. Mir persönlich fehlte bei der ersten Probefahrt die Rückmeldung. Stöße im Lenkrad gibt es allerdings auch nicht mehr.

Zu dem Thema habe ich Sebastian Bauer gebeten, uns exklusiv ein Statement zu geben, denn er ist das System schon etwas länger gefahren, kommt aber dennoch zum gleichen Schluss:

„Direct Adaptive Steering. Coole Sache, wirklich was für Tech-Geeks. Das Potential ist riesig, für den Moment überwiegt die fehlende Verbindung zur Straße und die Tatsache, dass eine konventionelle Lenkung das bessere Gefühl vermittelt – gerade im Grenzbereich ist die DAS tricky. Ein Traum wäre es für ein richtiges Stadtauto, für die Reiselimo müssen die Vorteile (Seitenwind-Korrektur usw.) noch mehr herausgearbeitet werden.“

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Beim Thema Sicherheit gibt es natürlich keine Experimente. Drei getrennt voneinander arbeitende Steuergeräte überwachen den Vorgang und sollte doch mal etwas schief gehen, dann gibt es ein Netz bzw. einen doppelten Boden, denn eine mechanische Verbindung zur Lenkachse gibt es weiterhin. Diese ist z.B. auch dann aktiv, wenn das Fahrzeug steht und der Motor nicht läuft.

Wenn er läuft, dann beschleunigt diese 4,80 Meter lange und 2,09 Meter breite (inkl. Außenspiegel gemessen) Limousine innerhalb von 7,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Von der Höchstgeschwindigkeit (wird mit 245 km/h angegeben) waren wir bei unserer Probefahrt in der schönen Schweiz natürlich meilenweit entfernt.

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Der Verbrauch wird von Infiniti mit 6,5 Litern auf 100 km angegeben, in der Realität dürften es wohl 2 Liter mehr sein, die durch die Brennräume wandern und von der Abgasanlage veredelt werden. Diese zeigt sich (leider?) unauffällig. Optisch ansprechend, klangtechnisch aber eher enttäuschend.

Das gilt im übrigen nicht für das BOSE Soundsystem, das klingt – dank 14 Lautsprechern und insgesamt 3 Subwoofern – wirklich gut und auch die Anbindung vom eigenen iPhone / Smartphone wird einem leicht gemacht: Bluetooth, zwei USB-Schnittstellen, Klinke oder sogar Chinch werden unterstützt. Das Infotainment-System besteht aus zwei getrennten Touchscreens.

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Das ist auf dem ersten Blick ungewöhnlich und man braucht ein paar Stunden, um sich mit der komplexen Bedienung auseinanderzusetzen. Lässt man sich auf das Experiment allerdings ein, dann erkennt man die Logik.

Vorteil: Auf dem oberen Display kann man z.B. immer die Navigation laufen lassen, während man unten auf die Musik oder die Klimaanlage Eingriff nimmt.

Den Infiniti Q50 kann man optional auf 19″ Felgen stellen lassen, diese „Schuhe“ passen dem maßgeschneiderten „Karosserie-Anzug“ ausgesprochen gut. Beachten sollte man aber, dass darunter dann etwas der Fahrkomfort leidet, was ich in dem Fall aber ganz und gar nicht negativ beurteilen würde.

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Wie inzwischen in fast jedem Fahrzeug dieser Klasse gibt es adaptive Fahrprogramme: Über einen Fahrdynamikschalter hat man die Qual der Wahl. Sport, Normal, Snow oder Individual. Auch diese Einstellung wird über die Touchscreens vorgenommen. Tech-Geeks werden eine wahre Freude an dem System haben, denn es können auch ausgewälte Apps installiert werden, die dann ebenfalls auf dem Display angezeigt werden können.

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Doch wie fährt er sich?

Mit der Lenkung bin ich bei der ersten Probefahrt nicht zurecht gekommen, überzeugt hat mich das straffe Fahrwerk und die Geräuschdämmung. Im Fahrzeug ist es solange angenehm still, bis man die BOSE Anlage aufdreht. Die Bremsen packen ordentlich zu und die 7-Gang Automatik macht es einem leicht, in der Schweiz im Verkehr mitzuschwimmen.

Die zahlreichen optionalen Assistenzsysteme arbeiten vorzüglich. Der Totwinkelwarner blinkt, der Lane-Assist korrigiert, wenn möglich, durch einen Lenkeingriff und der Tempomat hält auf Wunsch die Geschwindigkeit vom vorherfahrenden Fahrzeug. Beim Einparken hilft die Rückfahr- bzw. die 360° Kamera.

Platz hat man vorne und hinten, vier Personen können auch weitere Strecken bequem sitzen, sofern die Größeren vorne und die Kleineren hinten sitzen, denn die Kopffreiheit wird hinten durch die Formgebung eingeschränkt. Zwei Kindersitze lassen sich hinten leicht montieren und der Kofferraum bietet mit einem Volumen von 500 Liter ausreichend Platz für den Wochenendeinkauf.

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Die Preisfrage: Preislich geht es bei der Motor-Getriebe-Kombination los ab 39.260 Euro, mit etwas Ausstattung wird man wohl bei 45.000-50.000 Euro landen.

Fazit: Der Hersteller versucht es jedem Recht zu machen, vieles lässt sich individualisieren. Die Verarbeitung, die Haptik und meiner Meinung nach auch die Optik lassen keinen Zweifel an dem Premium-Anspruch von Infiniti.

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Wer keine Lust mehr hat auf Audi, BMW oder Mercedes, der darf gerne mal zu einem Infiniti-Händler fahren.

Stop! Da ist der Haken: Während man fast in jeder größeren Stadt ein gut ausgebautes Händler-Netz der großen Premium-Marken findet, muss man die Infiniti-Händler in Deutschland quasi mit der Lupe suchen. Eigentlich schade, denn verstecken muss sich der Q50 nicht. Es gibt Infiniti Händler z.B. in Frankfurt, in Dresden, in Berlin, in Düsseldorf und in Hamburg, aber man plant das Netz auszubauen.

Der Wink mit dem Zaunpfahl: Da ein 80 Liter Tank verbaut ist, könnte man rein theoretisch ja über 1.200 km weit kommen, das ist auch gut so, denn beim Tankdeckel hat man es mit dem Premium-Gedanken dann wohl doch nicht mehr so Ernst genommen, bzw. war da dann wohl das Geld bzw. die Motivation zu Ende:

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Der Blick über den Zaun: Weitere Blog-Beiträge zum Infiniti Q50:

Bjoern Habegger ist den Infiniti Q50 2.2 Diesel gefahren: klick

Fabian Meßner war ebenfalls in der Schweiz und ist den 2.0t gefahren: lesen

Sebastian Bauer hat sich das Eau Rouge Concept näher angesehen: wow!