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Citroen C4 Cactus – die perfekte Reduktion? Fahrbericht / Test!

Neuwagen / 15. August 2014

Wer verliebt sich schon in einen Kaktus? Der piekst! Der tut doch weh und auch wenn er robust ist und ohne viel Flüssigkeit auskommt, gibt es sicherlich schönere Dinge auf der Welt als einen Kaktus, oder? So geht es wohl auch unserer Verena, doch ich habe dem Cactus von Citroen mal eine Chance gegeben und bin den neuen französischen Verführer gefahren.

Ich möchte ehrlich gesagt kein Automobil-Hersteller sein. Zumindest nicht in der heutigen Zeit. Wir haben einen Überfluss an verschiedenen Modellen, verschiedenen Konzepten, verschiedenen Designs und natürlich auch an Antriebstechnologien.

Es gibt fast keine Nische, die noch unbesetzt ist und meiner Meinung nach werden sogar Fahrzeuge für Nischen hergestellt, bei denen bis dato noch gar keiner wusste, dass es diese Nische auch gibt. Richtige „Aha-Effekte“ oder ein „Oh…“ hat man doch schon lange nicht mehr, wenn man über durch die Messehallen geht.

Anders war es letztes Jahr auf der IAA in Frankfurt, denn dort stand das Concept-Car vom heutigen Citroen C4 Cactus.

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Dieses Mal sprechen wir gleich über zwei Testfahrzeuge, denn zum einen wollte ich euch unbedingt die vordere Sitzbank zeigen, wenn die „Automatik“ verbaut ist und zum anderen wollte ich unbedingt die Handschaltung ausprobieren. Auf die Motoren kommt es in dem Fall also nicht so an, gefahren sind wir beim Test die 1.6 Liter Diesel Motoren, die es z.B. mit 92 PS gibt.

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„Was sind das denn für Seitenbeplankungen?“

Das war damals meine erste Frage, heute weiß ich es: Die sogenannten Airbumps sollen Beschädigungen reduzieren, z.B. durch andere Fahrzeugtüren, Einkaufswagen usw. – auch leichte Parkrempler – wir sprechen hier schließlich über einen Franzosen und die Landsleute sind Weltmeister im Kontaktparken (inkl. Lackausstausch) – sollen so glimpflich ausgehen.

Gut gedacht, aber auch gut gemacht? Bei der Probefahrt mit dem Citroen C4 Cactus ist mir aufgefallen, dass die vorderen Türen perfekt geschützt sind, aber die hinteren Türkanten auf den Schutz verzichten müssen.

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Tja, Liebhaber haben vermutlich für alles eine Ausrede: „Hinten sitzt doch zu 90% sowieso keiner…“ könnte man sagen und mit der Begründung könnte man auch die Ausstellfenster verschmerzen.

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Wer allerdings hinten Kinder plaziert, der könnte sich a) wegen dem mangelden Schutz und b) wegen der Ausstellfenster ärgern. Kindersitze passen allerdings ohne Probleme, die Gurtpeitschen sind starr genug, die Gurtlängen ausreichend dimensioniert und auch der Beifahrer-Airbag lässt sich abschalten.

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Der Schalter dafür ist in dem Handschuhfach. Das ist groß, geräumig und teilweise in „Kofferoptik“ gehalten.

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Etwas Tradition findet man also auch im Citroen C4 Cactus. Reduktion auch! Denn auf eine Lüftungsdüse für den Beifahrer wurde verzichtet. Der darf sein Antlitz nur durch die mittlere Düse kühlen lassen.

Optional gibt es für den Citroen Cactus auch ein Panorama-Glasdach. Das verfügt über 3 Folien, die a) die UV-Strahlen und b) die Wärme draußen halten sollen. Absichtlich vergessen wurde eine Möglichkeit, dieses Dach abzudunkeln.

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Warum wirkt der Cactus so reduziert?

Der Citroen C4 Cactus soll halt Gewicht sparen und z.B. elektrische Fensterheber wiegen 6,5 Kilogramm pro Seite. Schaut man sich das Design und die Linienführung an, dann sieht man allerdings auch, dass sich die hinteren Fenster sowieso nicht hätten komplett öffnen lassen. Hätte das Fahrzeug eine rechte Lüftungsdüse, dann wäre vermutlich das Handschuhfach kleiner, denn die Luftführung verläuft in der Regel hinter dem Airbag – der beim Cactus in den Dachholm gewandert ist. Die Reduktion betrifft allerdings nicht nur die Ausstattung, sondern auch die Anzeigen.

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Auf einen Drehzahlmesser muss man im Citroen C4 Cactus verzichten. Auf dem digitalen Display hinter dem oben und unten abgeflachten und leider nur in der Höhe verstellbaren Lenkrad bekommt man ausschließlich die notwendigsten Informationen mitgeteilt: Geschwindigkeit, Tank-Inhalt, Tempomat-Einstellung.

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Einstellungen nimmt man größenteils über das Touchscreen vor. Das betrifft nicht nur das Infotainmentsystem, sondern auch die Klimaanlage. Über Direktwahltasten kommt man leicht in die Einstellungsmöglichkeiten. Für Umsteiger ggf. etwas ungewohnt, aber man sollte dem System mal eine Chance geben, denn durch diese Art von Verstellmöglichkeiten wirkt das Interieur sehr aufgeräumt und ganz und gar nicht überfrachtet.

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Fracht? Gutes Stichwort!

In den Kofferraum vom Citroen C4 Cactus passen 348 Liter, klappt man die Rückenlehne um (derzeitig nur einteilig, aufgrund von zahlreichen Rückmeldungen demnächst auch im Verhältnis 60:40 möglich) kann man über ein Volumen von 1.170 Liter verfügen. 442 Kilogramm dürfen maximal zugeladen werden und der Cactus zeigt sich mit zwei „Kufen“. Diese darf man mit 80 kg belasten. Kombiniert man den 4,16m langen und inkl. Außenspiegel 1,95m breiten Citroen C4 Cactus mit einer Anhängerkupplung, dann darf man bei unserer Motorisierung 765 kg (gebremst) ziehen.

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Doch wie fährt er sich der Citroen C4 Cactus?

Das Fahrwerk zeigt sich komfortabel abgestimmt, hin und wieder kommt mal ein Stoß durch, aber selbst mit fünf Personen beladen bleibt immer noch ein Restkomfort vorhanden. Die Lenkung ist leichtgängig und die 5-Gang Handschaltung könnte etwas knackiger sein. Die Bremsen lassen sich gut dosieren und sind ausreichend groß dimensioniert. Die Sitze vorne sind komfortabel, lassen aber ggf. etwas Seitenhalt vermissen.

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Nicht überzeugen konnte mich das adaptive, automatisch schaltende, sequenzielle Getriebe. Umsteiger brauchen wohl ein paar Stunden Fahrpraxis, um sich mit dem Getriebe vertraut zu machen, denn man muss wohl das Gaspedal etwas lupfen um a) Nickbewegungen zu vermeiden und b) sich nicht ausgebremst zu fühlen. Wer Doppelkupplungsgetriebe oder Wandlerautomatiken gewohnt ist, der wird mit dem automatischen Getriebe von Citroen in der Form vermutlich zunächst nicht glücklich.

Bauartliche Unterschiede sieht man übrigens zwischen Automatik und manueller Schaltung, denn durch den Wegfall des Gangwahlhebels bei der Automatik-Version, hat man eine angedeutete durchgehende Sitzbank vorne. Optional kann man auch über die Schaltwippen Eingriff in die Gangwahl nehmen, welches aber ebenfalls bei ungeübter Fahrweise mit einem Kopfnicken (ähnlich wie damals beim smart) quittiert wird.

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Meine Empfehlung ist also die 5-Gang Handschaltung. Warum hat Citroen nicht ein DSG bzw. eine Wandlerautomatik verbaut? Man wollte eine günstige und leichte Lösung verbauen, die gleichzeitig auch noch Kraftstoff spart.

Unser Fahrzeug kommt laut NEFZ mit einem Verbrauch von 3,5 Liter auf 100 km aus. Auf unserer Probefahrt lagen wir mit 4,9 Liter zwar etwas drüber, aber auch der Wert zeigt schon die Sparsamkeit des Modells. Mit dem Verbrauch schließt sich wohl auch die Brücke zum Namen.

Cactus! Ein Begriff, der in allen Ländern der Welt verwendet werden kann und gleichzeitig steht ein Kaktus natürlich für seine Genügsamkeit. Sind wir alle inzwischen zu verwöhnt? Ist weniger manchmal mehr? Der Citroen Cactus macht mich nachdenklich. Ist diese Art von Reduktion eventuell ein Fortschritt?

Preislich geht es los ab 13.990 Euro

Unser Testmodell hat einen Wert von knapp unter 24.000 Euro. Dafür war es aber auch mit dem automatischen Einparksystem, den Parksensoren, der Rückfahrkamera und weiteren Annehmlichkeiten ausgestattet. Fans der Marke werden hier für den Preis konkurrenzlos glücklich, denn so richtige Mitbewerber sehe ich eigentlich nicht. Das letzte Mal, dass ein Hersteller so mutig war und vieles „einfach anders“ gemacht hat, war Nissan mit dem Nissan Juke und da hat der Erfolg dem japanischen Hersteller Recht gegeben.

Sehen wir jetzt die französische Wiederholung?

Ich würde mich freuen, demnächst einige Cactus-Modelle im Straßenbild zu sehen, denn hin und wieder so ein Farbklecks tut uns allen doch mal gut. Er ist nicht perfekt, aber wer ist das schon? Preislich gesehen muss er sich nicht verstecken und kann meiner Meinung vom Raumgefühl und vom Platzangebot im Innenraum sogar mit höherwertigen Fahrzeugen durchaus mithalten.

Mein Fazit:

Es gibt einen Spruch, der lautet ungefähr wie folgt: „Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht.“ – das passt nun auch zu Citroen. Entweder der Schuss geht nach hinten los oder die Verkaufszahlen werden den Mut belohnen. Einfach mal etwas anders, etwas frischer – warum nicht?

Die technischen Basics sind gut, die Ausstattung auch, da können jetzt nur noch individuelle Feinheiten / Geschmacksachen stören und über die soll man ja nicht streiten. Mich hat der Cactus durch sein Raumgefühl, durch sein Platzangebot und auch durch sein Bedienkonzept überzeugt. Wie oben geschrieben würde ich lieber per Hand schalten und würde vermutlich auf das Panorama-Dach verzichten, da sich dieses nicht verdunkeln lässt. So lässt sich dann auch Geld sparen, durch die eigene Reduktion der optionalen Wünsche.

Was schreiben die anderen Blogger?

Simone Amores erklärt uns auf fanaticar.de  z.B. noch schnell die neuen Wischwasser-Düsen, denn die befinden sich nun an einer anderen Stelle und das spart auch Gewicht: „Bei den Scheibenwischern werden die klassischen Spritzdüsen, die gerne mal dazu führen, dass man kurzzeitig einen Blindflug hinlegt, durch das so genannte „Magic Wash“ ersetzt. Dabei sitzen die Scheibenwaschdüsen am äußersten Ende der Scheibenwischer und sprühen einen dünnen Wassernebel an die Scheibe. Damit sorgen sie für klare Sicht während der Reinigung der Windschutzscheibe und verringern sogar die erforderliche Flüssigkeitsmenge um die Hälfte. Wieder Gewicht gespart.“

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Mikhail Bievietzky schreibt auf newcarz.de: „Citroen schreibt dem Cactus auf die Fahne, dass er nur auf das beschränkt ist, was wirklich wichtig ist. Diese Reduzierung konnte ich durch die Bündelung der Bedienelemente im zentralen Infotainmentsystem live erleben und ertasten. Abgesehen vom Lautstärkeregler und sechs weiteren Tasten ist das Cockpit enorm aufgeräumt.“

Nicole Männl erklärt auf auto-diva.de  z.B. auch die AirBumps: „Die nachgebende Oberfläche aus TPU (Thermoplastik PolyUrethan) hat Luftkapseln als Aufpralldämpfer integriert. Die Airbumps® brauchen nicht wieder aufgepumpt zu werden und ersparen einem sicherlich den einen oder anderen Schein für eine Schönheitsreparatur. Wer genau hinschaut, entdeckt die “Popp-Kultur” auch an den Stoßfängern vorn und hinten.“

Citroen-C4-Cactus-Fahrbericht-Test-Kritik-Jens-Stratmann-Drive-Blog-14Tom Schwede (1300ccm) hat auch festgestellt: „Wo die Wettbewerber mit Sicken oder Falten fast schon krampfhaft Kontur suchen, überzeugt der Citroën C4 Cactus mit klaren und einfachen Linien. Weniger ist mehr! Beim Cactus sind die Designer diesem Dogma offensichtlich gefolgt.“

…und Thomas Imhof (autogefühl.de) wühlt noch etwas in der Geschichte: „In ihrer wechselhaften 95-jährigen Geschichte war die Firma Citroën eigentlich immer dann am stärksten, wenn sie ihre Ideen entschlossen verfolgt hat. Das war beim 2CV ganz ähnlich wie beim DS, CX, XM oder in jüngerer Vergangenheit bei den DS-Modellen.“

Mario von Berg (autoaid.de) hat auch über den Cactus geschrieben: „Der Citroën C4 Cactus gibt sich herrlich unaufgeregt. Diese Lässigkeit ist es auch, die ich im Amsterdamer Verkehr benötige; der C4 Cactus verleiht sie mir. Das Fahrwerk hat sich ganz dem Komfort verschrieben und meidet zum Glück gängige SUV-Rumpelfahrwerke, um damit einen auf dynamisch zu machen. Dazu passt die angenehm komfortable wie leichtgängige Lenkung. Die Vordersitze sind ungewohnt breit ausgeführt, weich sowie außerordentlich bequem und bieten dabei sogar noch ausreichenden Seitenhalt.“ – das mit dem Seitenhalt muss halt jeder für sich ausprobieren, breit genug sind die Sitze auf jeden Fall.

…und etwas mehr Lifestyle gibt es bei Dajana Eder zu sehen, denn sie beschreibt den Cactus wie folgt: „Es wurde getüftelt, es wurde weggelassen, es wurde gespart und es wurde einfach auch ignoriert und trotzdem wirkt er auf den ersten Blick auffallend anders. Selbst in einer bunten Stadt wie Amsterdam, zieht er gekonnt all die Aufmerksamkeit auf sich.“

Ob der Cactus zum Erfolg wird? Ob der Cactus sogar eventuell der erfolgreichen Citroen DS-Linie gefährlich sein könnte (DS3)? Das wird die Zukunft zeigen!