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Grenzenloser Vortrieb – Die Mercedes-Benz S-Klasse als S65 AMG

Neuwagen / 27. Juni 2014

Heute stellen wir euch einen wahrlichen Traumwagen vor und ganz nebenbei noch einen Dinosaurier, denn die 12 Zylinder-Fahrzeuge sterben aus.

V12? So nennt man die Bauart des Hubkolbenmotors, der über 12 Zylinder und eine besonders hohe Laufruhe verfügt und den man besonders hoch drehen kann. Daher werden und wurden diese Motoren in der Regel in Sportwagen bzw. Supersportwagen verbaut. Beispiele gefällig?

Aston Martin DB9, 7er BMW, Ferrari 599, Ferrari FF, Lamborghini Aventador, Mercedes-Benz G65 AMG und genau dieser Motor steckt auch in der S-Klasse, besser gesagt in dem Mercedes-Benz S65 AMG.

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AMG? Mercedes-AMG nennt sich die Performance-Marke von Mercedes Benz. 1967 in Affalterbach von Hans Werner Aufrecht und Erhard Melcher gegründet, wurde das Unternehmen im Jahre 2005 eine hunderprozentige Mercedes-Benz Tochter.

AMG modifiziert aber nicht nur die bestehenden Fahrzeuge, die Sportwagen-Schmiede entwickelt auch Bauteile und komplette Fahrzeuge. Der Mercedes-Benz SLS AMG war im Jahr 2010 das erste Fahrzeug.

Eine Philosophie gehört zu allen AMG Fahrzeugen: „ein Mann – ein Motor“ – jeder AMG Motor wird in Handarbeit von nur einem Mechaniker hergestellt und im allerletzten Arbeitschritt krönt dieser Mechaniker den Motor mit seiner eigenen, individuellen Plakette.

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Das gilt auch für den S65 AMG, denn diesen 6.0 Liter V12 hat Michael Kübler gebaut. Michael Kübler ist einer der beiden Mechaniker, der auch die Pagani-Supersportwagen Motoren bauen darf.

Hier in unserer S-Klasse ist es der große V12: 6,0 Liter Hubraum, 12 Zylinder, 630 PS und ein wahnsinniges Drehmoment von 1000 Nm. Zugegeben, heute greifen wir ganz nach rechts in das automobile Portfolie von Mercedes-Benz und fahren den S65 AMG, den man ausschließlich in der langen Version der S-Klasse finden kann.

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Der Fahrer muss dabei nichts mehr machen, er muss dank dem neuen Head-up Display nicht einmal mehr den Blick von der Straße wenden. Er kann sich voll und ganz auf die Fahrt konzentrieren und konzentrieren muss man sich teilweise, denn die Fahrleistungen sind beeindruckend.

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Der hochdrehende 12 Zylinder gibt die Leistung über die AMG SPEEDSHIFT PLUS 7G-TRONIC an die Hinterachse ab. Innerhalb von 4,3 Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h, wählt man das AMG Drivers-Package, dann endet der Vortrieb erst bei Supersportwagen-Werten – nämlich bei 300 km/h.

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Nicht vergessen, wir sitzen hier in einer 5 Meter 28 langen Limousine, die leer ein Gewicht von 2,2 Tonnen auf die Waage bringt. 500 kg darf man zuladen, wenn man dann das Fahrzeug wirklich in der Stadt bewegen möchte, dann wird man die Brennräume mit mindestens 17 Liter Super Plus kühlen, der kombinierte Verbrauch wird laut NEFZ mit mindestens 11.9 Litern angegeben.

Sagen wir mal so, Mercedes-Benz bzw. die Performance Marke AMG hat nicht umsonst den 80 Liter Tank verbaut.

Der Wendekreis beträgt 12,3 Meter. Innerhalb von dem Wert könnte der kommende smart fast zwei Mal wenden. Aber hier geht es nicht um klein, klein, sondern um den Luxus auf 4 Rädern und der hat seinen Preis.

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Kommen wir also direkt zur Preisfrage:

In der Basisversion – wenn man bei einem solchen Fahrzeug überhaupt von Basis reden darf – liegt der Preis bei 234.906 Euro. Wer sich jetzt noch ein paar Extras hinzukonfiguriert, der wird bei 250.000 Euro oder mehr landen.

Wisst ihr was das Beste an dem S65 AMG ist? Träumen bleibt auch weiterhin kostenlos. Es gibt Fahrzeuge, die muss man nicht bewerten. Die S-Klasse gilt als das beste Fahrzeug der Welt, dann ist der S65 AMG das vermutlich beste Fahrzeug des Alls.

Ich würde es nicht bezweifeln. Für die Stadt ist diese Limousine aber nicht geschaffen, mit der Begründung kann man es gut verschmerzen, dass der S65 AMG nicht ins Budget passt. Außerdem bräuchte man zu dieser Luxus-Limousine ja auch noch einen Fahrer, denn der Platz hinten ist fast noch schöner als direkt hinterm Lenkrad.

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Das Fahrwerk basiert auf dem Magic-Body-Control Fahrwerk von Mercedes-Benz. Das scannt mittels einer Frontkamera die Straße und stellt – sofern Unebenheiten erkannt wurden – die Dämpfercharakteristik neu ein. Im S65 AMG kommt die sportliche Version zum Einsatz, die aber immer ein hohes Maß an Restkomfort zur Verfügung stellt.

Angetrieben ist der 6.0 Liter Bolide über die Hinterachse, einen Allrad-Antrieb sucht man vergebens. Ich habe allerdings keinen vermisst. Motor vorne, Antriebsachse hinten – auch das eint den S65 AMG mit den Super-Sportfahrzeugen.

Die 7G-Tronic wurde allerdings so programmiert, dass die Gangwechsel unauffällig vonstattengehen, schließlich möchte man die Passagiere im Innenraum ja nicht stören.

Die Lenkung ist – wenn man andere AMG-Fahrzeuge kennt – etwas leichtgängiger, dennoch lenkt der S65-AMG direkt ein und das Feedback zum Fahrer ist vollkommen in Ordnung.

Einparkvorgänge muss man übrigens nicht scheuen, es steht eine 360° Kamera zur Verfügung und optional gibt es auch einen Einpark-Assistent.

Für die Passagiere hinten sicherlich interessanter: Infotainmentsystem, Liegesitze, ein weiches Kopfkissen und optional einen Kühlschrank hinter der Armlehne.

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Was schreiben die andere Auto-Blogger über den Mercedes-Benz S65 AMG?

Jan Gleitsmann: „Ich kann bestätigen, dass sich der 2014 Mercedes-Benz S 65 AMG auch bei hohen Geschwindigkeiten sehr bequem und komfortabel fahren lässt. Erst jenseits der 180 km/h nimmt man erste Windgeräusche wahr, die aber immer so dezent bleiben, dass man sich, ohne die Stimme zu heben, mit dem Sitznachbar unterhalten kann.“

Jan bringt es damit auf den Punkt, denn der S65 AMG wurde nicht gebaut, um möglichst laut zu sein, daher entfällt auch der Sport+ Modus und auch wenn das V12-Fauchen einen ganz besonderen Reiz versprüht und zu einer Gänsehaut führen kann, der S65 AMG bleibt eine Luxus-Limousine.

Sportwagen ähnliche Werte bei Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit und beim Verbrauch, von daher wird es hier vermutlich keinen stören, dass die Kaufberatung für Paare, Singles oder Familien entfällt.

Das Fahrzeug ist für den ausländischen Markt, bzw. für die Märkte, wo der Anschaffungspreis eine übergeordnete Rolle spielt. In einigen Ländern möchten die Käufer halt zeigen, dass sie erfolgreich sind und sich ein solches Fahrzeug – auch im Unterhalt – leisten können.

Ein Fazit kann ich mir auch sparen, die S-Klasse gilt nicht umsonst als das beste Fahrzeug der Welt, der S65 AMG ist davon also nur die Krönung und man darf gespannt sein, was Mercedes-Benz bzw. Mercedes-AMG noch im Köcher hat.

  • Markus Rieksmeier

    Melkers Drehorgel?

    Wiederholt wie immer fehlt es diesem Beitrag an Einordnung, an Leidenschaft sowieso. Beim Stichwort „Pagani“ denkt mancher Leser – weil allein gelassen – eher an die Panini-Sammelbildchen zur WM, statt an den Paganini der Sportwagenwelt; das nur einmal als Text-Tipp.

    Ihre Fachleser quälen sich über Allgemeinplätze („Heckantrieb“), während der weniger Kundige, aber umso interessiertere Autoblog(!)-Leser, vielleicht wissen wollte (oder sollte), warum es den S65-V12 nicht mit Allrad gibt, den S63-V8 aber sehr wohl.

    Fachwissen?
    Der „hochdrehende“ S 65-Motor gibt seine 630 PS bereits bei 4.800 bis 5.400/min ab. Echte Drehorgeln rotieren mit 8.000/min!
    Einen V12 „besonders hoch drehen“? Wie JEDEN anderen Motor kann man ihn genau so hoch drehen wie es die maximalen Kolbengeschwindigkeiten zulassen. Ausschlaggebend ist das Hubmaß (Massenkräfte), nicht die Anzahl der Zylinder (Massenverteilung => Laufruhe).

    Der „Melker“?
    Der AMG-Mitgründer kommt zwar vom Land mit vielen Kühen; dennoch heißt er Erhard Melcher: „hunderprozentig“ (+“T“). Manch einer fragt sich sodann auch nach dem „G“ in AMG. Fehlanzeige („G“ für Großaspach ist der Geburtsort von AMG-Ikone Hans W. Aufrecht). Zum S65 nur eine von 1.000 Geschichten: Dessen berühmtester Vorgänger ist die „Rote Sau“, ein 300 SEL 6.3 als AMG-Rennversion.

    Und der S63?
    Zur Einordnung: Der S65-Zwölfzylinder ist der Prestige-Höhepunkt im Hause AMG, während der S63-V8 den (relativen!) Sportpart der S-Klasse besetzt. Ähnlich macht es Porsche mit seinen Turbo-Modellen. Diese stehen für Image, Längsdynamik und Top-Motorisierung. Die GTS: Sport, Kurvendynamik, Saug-Motoren. Insofern hätte eine Positionierung des S65 zum „normalen“ S600 nicht geschadet, war aber auch nicht ernstlich erwartet.

    AMG „modifiziert“?
    Nochmals, siehe AMG G63 6×6: Nein. Alle Modelle sind eigene Entwicklungen (ähnlich Alpina BMW). Auch die Motoren sind AMG-Entwicklungen; erstmals der 6,2/V8 (Hochdrehzahlkonzept) im SLS. Mercedes hält seine Baureihen für AMG-Zwecke lediglich „nach oben offen“: Zum Beispiel, damit der V-Achtzylinder des kommenden C 63 unter die Haube passt.

    „Portfolie“?
    Zwölfzylinder sterben nicht aus: In Asien werden sie weiter gekauft. Und nein: dort spielt der Preis keine „übergeordnete Rolle“. Umgekehrt. Die S-Klasse als „Bestes Auto der Welt“ ist übrigens kein Spruch, sondern das fortwährend kritische Urteil von „Auto, Motor und Sport“. Seit dem W 126. Seit 1979.

  • Christian Mueller

    Interessanter Beitrag, nur irritiert mich dass ein V 12 hochdrehend sein soll. Der Charme liegt ja grade darin das ein V 12 in der Effizienz sehr nahe bei einem Stern Motor liegt. – Wie sieht es denn mit Assistance Systemen und Infotainment aus. Da habe ich wenig gelesen. Das wäre auch von Interesse, denn so kommentiert fallen mir noch ein paar andere nette Marken mit dem Tribut bestes Auto ein.

    • Jens Stratmann

      Hallo Herr Mueller, vielen Dank für ihren Kommentar. Mit hochdrehend habe ich mich in der Tat etwas vergriffen, ich meinte drehfreudig. Der S65 AMG basiert natürlich auf der S-Klasse, über einige Assistenzssysteme und auch über das Infotainment-System habe ich hier ( http://drive-blog.de/2013/07/19/neuwagen-der-woche-die-neue-mercedes-benz-s-klasse-201/1354/ ) bereits geschrieben und auch in naher Zukunft wird es noch einen Beitrag genau zu dem Thema geben.

      • Christian Mueller

        Danke für die Antwort. Irgendwie kommt mir der Thread grade gekürzt vor. Drehfreude hat nichts mit der Zylinderzahl zu tun, sondern mit dem Hub-/Bohrungsverhältnis. Kurzhuber (unterquadratisches H/B-Verhältnis) sind drehfreudig – unabhängig von der Zylinderzahl. Wenn Sie korrekt „Laufruhe“ meinten, dann schreiben Sie es doch einfach.